Weshalb ich von „Antiziganismus“ spreche…

Um die verschiedenen Begriffe, die zur Umschreibung von Rassismen gegenüber der Minderheit der Sinti* und Roma* zu sprechen, herrscht eine rege Debatte.

Der meist verwendete Begriff „Antiziganismus“ ist vor allem auch in wissenschaftlicher Literatur vorherrschend. Kritiker lehnen ihn ab, da er den Wortstamm „zigan“ enthält und auf die diskriminierende Fremdbezeichung „Zigeuner“ abstellt (Um nicht zu sehr ins Detail gehen zu müssen, möchte ich an dieser Stelle nicht auf die Problematik des Begriffs „Zigeuner“ eingehen).

Roma-Flagge
Roma-Flagge, First World Romani Congress, 1971

Als Alternative wurde deshalb der Begriff „Antiromaismus“ vorgeschlagen. Hier kamen jedoch kritische Stimmen auf, dass andere Gruppen, welche ebenfalls unter den bezeichneten Rassismen zu leiden haben, sich nicht mit diesem Begriff identifizieren (Bsp. Minderheit der Sinti*).

Eine weitere Möglichkeit, die vorherrschenden Rassismen zu beschreiben, besteht in dem relativ neuen Begriff „Gadje*-Rassismus“. Dieser wird aktuell zwar kaum genutzt, ist jedoch aufgrund des Gedankenganges, der zu diesem Begriff geführt hat, erwähnungswürdig. Das Wort „Gadje*“ stammt aus dem Romanes und bezeichnet Nicht-Roma*_Sinti*. Da der Rassismus eben von dieser Gruppe ausgeht, hat man sich entschieden das Phänomen entsprechend zu benennen.

Ich persönlich verwende häufig die Begriffe „Antiziganismus“ oder „Rassismus gegenüber Sinti* und Roma*“. Die Legitimation für die Verwendung des ersten Begriffs besteht für mich eben genau darin, dass es auch das „Zigeunerstereotyp“ als Teil des gelebten Rassismus definiert. Dies spielt für mich eine wesentliche Rolle, da auch Personen, die nicht der Minderheit der Sinti* und Roma* angehören, jedoch das stereotypische Klischeebild in irgendeiner Art und Weise erfüllen, ebenfalls von Rassismus betroffen sind.

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