Workshop: „Schublade gesucht?!“

Vom 19. August bis 21. August 2016 organisierte das Netzwerk für Demokratie und Courage Saar e.V. (NDC Saar) im Rahmen des Projekts „ZusammenWachsen“ im Bildungszentrum der Arbeitskammer des Saarlandes in Kirkel das zweite Forum unter dem Motto „Lass uns reden … über Antiziganismus!“.

In dem Workshop „Schublade gesucht?!“, welchen ich geleitet habe, haben sich die Jugendlichen kritisch mit Minderheiten in Minderheiten und Diskriminierung auseinandergesetzt. Zunächst haben die Teilnehmende sich in verschiedenen Gruppen zusammengefunden, welche anhand von Gemeinsamkeiten gebildet wurden. Den Teilnehmenden wurde so der Raum geboten, zu reflektieren, ob sie in genau eine, wenn nicht sogar mehrere „Schubladen“ passen oder aber, ob sie überhaupt in eine vorgegebene Kategorie passen. Außerdem wurde die Erfahrung gemacht, dass die Zugehörigkeit zu einer Gruppe oft eine Frage der Definition ist. Ein Beispiel hierfür stellt die Kategorisierung nach dem Wohnort dar: die Teilnehmenden haben sich nach Städten bzw. Orten sortiert, sodass schlussendlich fast jeder für sich stand. In der Reflexion kam jedoch der Gedanke auf, dass nicht nach der Stadt gefragt wurde. Die Teilnehmenden hätten sich genauso gut nach Land bzw. Bundesland sortieren können.

Workshop-Ergebnis. Klicken für größere Ansicht.
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In diesem Fall hätten sie gemeinsam eine große Gruppe gebildet. Es wurden die Begriffe der Diskriminierung und der Intersektionalität eingeführt, anhand welchen die Jugendlichen sich mit der Biografie einer fiktiven Person und dem Einfluss der Intersektionalität auf Lebensrealitäten beschäftigt haben. Verschiedene Kleingruppen haben ein Plakat zu der von ihnen erfundenen Person kreiert und dieses im Workshop-Plenum vorgestellt. Weiterhin wurden auf verschiedene Selbstorganisationen und Arten von Selbstorganisation eingegangen, um aufzuzeigen, dass Betroffene sich zusammenschließen, um gemeinsam für ihre Rechte zu kämpfen. Im nächsten Schritt haben die Teilnehmenden die vorherrschenden Zustände reflektiert und gemeinsam eine Pinnwand mit einem „offenen Brief an die Mehrheitsgesellschaft“ gestaltet, aus welchem ihre Wünsche und Forderungen herausgingen. Um diesem Brief mehr Ausdrucksfähigkeit und Authentizität zu verleihen, wurden die Jugendlichen anschließend eingeladen, ihre eigenen Gruppenzugehörigkeiten zu reflektieren und auf einem Plakat als persönliche Unterschrift zu Papier zu bringen. Die Teilnehmenden konnten anhand des fertigen Gesamtbriefes erfahren, dass jeder Einzelne individuellen Gruppen zugehörig ist, dass es zwar gewisse Überschneidungen gibt, jedoch ohne dass sich eine vollständige Kongruenz zweier Personen feststellen lässt. Die Nachricht, die hiermit gesendet werden sollte, lautete, dass, obwohl alle Unterzeichnenden des Briefes unterschiedlich sind, sie gemeinsam für ihre Überzeugung einstehen und diskriminierende Zustände als unhaltbar ansehen.

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